Dieser Entwicklungsabschnitt ist geprägt von einer Wachstumsphase, vorwiegend setzt hier das Längenwachstum ein. Zudem fällt in diesen Abschnitt der Wechsel auf große Schanzen (wettkampfmäßig bis HS 110). Außerdem kommt man bei entsprechender Leistungsstärke auf die internationale Wettkampfebene, wo FIS-konformes Material gefordert wird.
Hier gilt es besonders sensibel vorzugehen, da die individuellen Entwicklungsunterschiede riesig sein können.
Akzelerierte Sportler können bezüglich des Materials nicht wie „kleine“ Erwachsene behandelt werden. Die FIS-Tabellen bezüglich Skilängen sind auf ausgewachsene Sportler ausgelegt. Die Gefahr besteht darin, dass bei mangelnder Technik die Materialvorteile einen kurzzeitigen Leistungsschub bewirken, aber danach ein Plateau eintritt.
Im Mittelpunkt muss die technische Ausbildung stehen und das Material auf das Systemgleichgewicht abgestimmt werden, auch wenn man dabei scheinbar etwas herschenkt.
NICHT BLIND AUF DIE TABELLEN SCHAUEN!
Bei retardierten Sportlern ist die Sache komplexer. Grundsätzlich gilt gleicher Grundsatz wie oben beschrieben. Technikentwicklung und Systemgleichgewicht stehen im Mittelpunkt. Ein zu frühes Optimieren des Flugsystems kann sich negativ auf die Absprungtechnik auswirken. Im Gegensatz dazu kann eine zu starke Fokussierung auf die Absprungtechnik eine mangelhafte Flugausbildung zur Folge haben.
Hier gibt es keine Rezepte! Geduld, Weitblick und eine sehr verantwortungsvolle Begleitung der jugendlichen Athletinnen und Athleten sind gefragt!
Die Wahl der richtigen Ski bzw. der richtigen Skilänge spielt bei der Technikausbildung von Jugendlichen eine große Rolle. Es ist weniger das Produkt an sich und auch nicht Spezifitäten in der Bauweise, als vielmehr die richtige Länge und die Wahl des Vorderskis. Es ist eine Skilänge im Bereich von 130 bis 140% der Körpergröße anzustreben. Zu lange Ski oder zu weiche Ski bzw. ein zu langer Vorderski kann eine Gegenreaktion des Sportlers (aktives Drehen, Vorschieben der Brust) provozieren, die dann später im Verlauf der Ausbildung nur schwer zu bearbeiten ist. Zu kurze Ski erleichtern den Absprung, aber verhindern das Ausbilden von Flugfähigkeiten. Übergangsphase und Gleitflug können nicht geübt werden und verhindern eine ganzheitliche Ausbildung.
Da Wachstumsschübe sehr unterschiedlich schnell ausfallen, muss die Skilänge ständig angepasst werden. Auch wenn es (finanziell) schwierig erscheint gilt auch hier der Grundsatz, dass Veränderungen über 5cm zu vermeiden sind.
Ein Wechsel der Produkte muss sich nicht unbedingt negativ auf die Ausbildungsqualität auswirken. Da jede Skifirma die Ski mit eigener Charakteristik entwickelt, verhindert das eine frühzeitige Fixierung und eine einseitige Technikausbildung.
Auch hier gilt der Grundsatz: Weitsicht, genaues Beobachten und Fingerspitzengefühl ist die Basis für Entscheidungen.
Hier gilt Ähnliches wie beim Grundlagentraining. Ein Standardmodell ist zu empfehlen (RASS), wobei hier darauf geachtet werden muss, dass die Lebensdauer nicht zu weit fortgeschritten ist. Da die Jugendlichen trotz Aufstiegshilfen noch Wegstrecken zu Fuß absolvieren müssen, nutzt sich der Sprungschuh beim Gehen ab. Das hat zur Folge, dass die Stützenvorlage zurückgeht und auch die Stabilität der Sohle im Vorderfußbereich nachlässt.
Bei Jugendlichen ist zu empfehlen, 2 Paar Schuhe pro Saison (Sommer/Winter) zu verwenden.
Schuhumbauten, die teilweise im Profibereich durchgeführt werden, sind abzulehnen. Dies führt zu einem kurzfristigen Leistungsschub mit gleichzeitiger Fixierung auf eine Technikspezifikation und fördert nicht das Ausbilden des später geforderten Fähigkeitspotentials.
Alle im Grundlagenbereich beschriebenen Punkte zur Montage und zum Thema Sicherheit gelten selbstverständlich auch für das Aufbautraining. War bisher nur die Bandbindung bzw. die Stabbindung mit dem geraden Stab erlaubt, erhöht sich jetzt die Auswahl.
Es stehen jetzt mit dem Wechsel in die Jugendklasse gebogene Stäbe bzw. Schienen zur Verfügung (zumindest sind diese erlaubt), die den Aufkantwinkel während der Flugphase verringern sollen. Die Problematik dabei ist, dass hier die Erfahrungswerte fehlen und es kein Generalrezept gibt.
Fakt ist, dass sich beim Einsatz von Hilfsmitteln, die den Aufkantwinkel verringern sollen, nicht nur das Feedback in der Luft verändert, sondern auch der Skiöffnungswinkel in der Übergangsphase beeinflusst wird. Dies impliziert auch ein Sicherheitsrisiko!
Veränderungen im Bindungsbereich immer auf einer kleinen Schanze (bis HS 75) testen!
Es ist ein behutsames Heranführen an unterschiedliche Biegungen zu empfehlen. Zuerst den Bereich 4 bis 8 Grad abdecken, denn das Verwenden von Stäben oder Schienen jenseits der 10 Grad-Krümmung kann zu Gegenreaktionen (vermehrtes Aufkanten) führen und damit die sportliche Entwicklung negativ beeinflussen.
Nicht unterschätzt werden sollte auch der Impact im Landebereich. Der Landeanflug verändert sich und durch die Fersenfreiheit knickt bei einer Telemarklandung mit gebogenem Stab das Knie nach innen und ist erhöhten Belastungen ausgesetzt. Dieses Gefahrenmoment muss antizipiert und in Folge reduziert werden.
Gebogene Stäbe verbessern bei gelungener Anwendung die Flugqualität, aber in erster Linie muss die Ansteuerung des Fußes gelehrt und gelernt werden, um diese Materialverbesserungen sinnvoll ausnutzen zu können.
Behutsames Heranführen und gegebenenfalls eine immer wiederkehrende gezielte Reduktion führen zu gekonntem Umgang mit den Kräften und in Folge zu einer erhöhten Effektivität.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der Einsatz von Wadenkeilen im Schülercup nach Möglichkeit abzulehnen ist. Man lernt besser die Skiaufnahme aktiv anzusteuern und das ist wiederum Voraussetzung, um dann später auf größeren Schanzen sicher und effektiv zu springen.
Mit dem Wechsel in die Jugendklasse und auf die größeren Anlagen (>HS 75) ist ein schrittweises Heranführen an den Einsatz von Wadenkeilen sinnvoll. Speziell bei Athleten, die einen längeren Ski als 225/230cm benutzen.
Das erleichtert die Skiaufnahme nach dem Schanzentisch und hat somit zur Folge, dass der Sprung schneller verbunden werden kann. D.h. eine „aggressivere“ Herangehensweise ist dadurch möglich. Zudem erhöht es die Sicherheit im Verlauf des Fluges, weil der Ski näher beim Körper bleibt und dieser Sachverhalt wiederum zur Sturzvermeidung beiträgt.
Entscheidend ist hier die Methodik. Ähnlich der Herangehensweise bei der Verwendung von krummen Stäben sollte hier eine schrittweise Anpassung erfolgen. Keinesfalls sofort mit der maximal möglichen Dicke beginnen, sondern zu Beginn mit 1-1,5cm-Schritten ein Gefühl aufbauen.
Wadenkeile wirken sich negativ auf den Landevorgang aus. Einerseits erhöhen sie das Sicherheitsrisiko, weil der Unterschenkel bei der Landung nach vorne gedrückt wird und die Kniestabilität nur durch muskulären Einsatz gewährleistet bleibt. Andererseits entsteht durch den veränderten Unterschenkelwinkel Zug auf die Schienbeinmuskulatur, was nicht selten in eine Beinhautentzündung mündet.
Ein dosierter, methodisch schlauer und schrittweiser Einsatz von Wadenkeilen ist empfehlenswert!
Ein heikles und inzwischen umstrittenes Thema im Skispringen. Beim Übergang in die Jugendklasse ist erstmals FIS-konformes Material notwendig. Davor liegt die Kontrolle und die Empfehlung in den Händen der nationalen Skiverbände.
Im Anzugbereich können schnell Meter gewonnen, aber auch verloren werden. Auf lange Sicht ist es ratsam, sich an die Vorschriften zu halten und das Flugkönnen zu entwickeln. Gleichzeitig werden in diesem Altersbereich auch entscheidende Weichen (flugtechnisch, aber auch kadermäßig) für die Zukunft gestellt.
Sparen ist hier nicht angesagt. Man braucht konkurrenzfähiges und den aktuellen Regeln entsprechendes Material, ansonsten lernt man nicht die richtige Technik und baut auch kein Selbstvertrauen auf. Gleichzeitig täuscht ein ständiges Bewegen an der Obergrenze des Machbaren eventuell über technische Schwächen hinweg bzw. reduziert die Entwicklungsmöglichkeiten.
Gutes Material nach neuesten Standards ohne schnitttechnische Besonderheiten ist angesagt!
Hier gelten die die Grundsätze des Grundlagen- und des Aufbautrainings. Das Tragen eines Sprunghelms nach neuester FIS DIN Norm und einer Skibrille sind Pflicht. Das Tragen von Rückenprotektoren ist individuell und muss mit der Anzuggröße konform gehen.